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Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte

Nur eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt darf Rechtsuchende umfassend rechtlich beraten und vertreten. Andere Berufsgruppen sind dazu nicht oder nur eingeschränkt berechtigt. Die Rechtsanwältin und der Rechtsanwalt müssen die Interessen ihrer Mandanten vertreten. Gleichzeitig wirken sie als Organe der Rechtspflege an der Verwirklichung des Rechtsstaats mit. Sie üben ihren Beruf frei und selbstbestimmt aus. Sie unterliegen keiner staatlichen Einflussnahme.

Rechtsuchende können sich durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt ihrer Wahl rechtlich beraten und vertreten lassen. Dies umfasst einerseits die Vertretung gegenüber Dritten und vor Behörden. Zu der anwaltlichen Vertretung gehört aber auch die vor den Gerichten. In Verfahren vor dem Landgericht, Oberlandesgericht oder Oberverwaltungsgericht müssen sich Rechtsuchende durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Eine Besonderheit gilt vor dem Landesarbeitsgericht. Hier müssen sich Rechtsuchende entweder anwaltlich oder durch Vertreter einer Gewerkschaft oder eines Arbeitgeberverbandes vertreten lassen.

In den Verfahren vor den Amtsgerichten, Verwaltungsgerichten, Arbeitsgerichten und in der Sozialgerichtsbarkeit können die Prozessparteien dagegen grundsätzlich selbst auftreten. Nur in den Ehe- und Familiensachen vor den Amtsgerichten ist eine anwaltliche Vertretung erforderlich.

Jede Rechtsanwältin und jeder Rechtsanwalt darf in allen Angelegenheiten tätig werden. Aber auch eine durch eine zusätzliche Qualifikation erworbene Spezialisierung ist möglich. Sie können diese an der Bezeichnung „Fachanwältin" oder „Fachanwalt" erkennen. Eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt kann eine solche nach einer Fortbildung und einer Prüfung für spezielle Rechtsgebiete führen. Dies gilt für die folgenden Rechtsgebiete:

  • Agrarrecht,

  • Arbeitsrecht,

  • Bank- und Kapitalmarktrecht,

  • Bau- und Architektenrecht,

  • Erbrecht,

  • Familienrecht,

  • Gewerblicher Rechtsschutz,

  • Handels- und Gesellschaftsrecht,

  • Insolvenzrecht,

  • Informationstechnologierecht,

  • internationales Wirtschaftsrecht,

  • Medizinrecht,

  • Miet- und Wohnungseigentumsrecht,

  • Migrationsrecht,

  • Sozialrecht,

  • Steuerrecht,

  • Strafrecht,

  • Transport- und Speditionsrecht,

  • Urheber- und Medienrecht,

  • Vergaberecht,

  • Verkehrsrecht,

  • Versicherungsrecht und

  • Verwaltungsrecht.

Darüber hinaus kann jede Rechtsanwältin und jeder Rechtsanwalt auch selbst gewählte Tätigkeitsschwerpunkte und Interessengebiete angeben. Eine solche Angabe setzt aber keine besondere Qualifikation voraus.


Die Rechtsanwältin und der Rechtsanwalt unterliegen der Berufsaufsicht durch eine der drei Rechtsanwaltskammern in Niedersachsen. Die jeweilige Kammer entscheidet auch über die Zulassung zur Anwaltschaft sowie den Fortbestand dieser Zulassung. Außerdem führt sie ein Verzeichnis, in das sie jede Rechtsanwältin und jeden Rechtsanwalt ihres Bezirks aufnimmt. In diesem Verzeichnis vermerkt sie auch, wenn eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt eine Fachanwaltschaft führt. Sie können sich über die Kammern auf deren Homepages informieren. Dort können Sie auch nach den Anwältinnen und Anwälten in ihrer Nähe suchen. Außerdem erfahren Sie dort, welche Anwältin und welcher Anwalt eine Fachanwaltschaft erworben hat. Diese und andere Informationen der Kammern finden Sie hier:

Können Bürger die Kosten der anwaltlichen Beratung nicht tragen, kann das Amtsgericht ihnen Beratungshilfe gewähren. Voraussetzung dafür ist ein geringes Einkommen. Vergleichbares gilt für die Bewilligung von Prozesskostenhilfe für gerichtliche Verfahren.

Im Strafverfahren kann das Gericht Angeklagten unter bestimmten Voraussetzungen Pflichtverteidiger beiordnen.

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